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17 April 2012

mörderische Welt

so sahen die Videotext-Nachrichten am 24.Juli 2011 aus. Tote..Tote..Tote..bei Schießerei…Überschwemmung…Bombenexplosion und andere Unglücke, bei denen wieder zahlreiche Menschen ums Leben kamen. Zu dem Zeitpunkt lebte Gaddafi – sein Ende kam später - noch und der Tod Ami Winehouse wird in diesem Schlagzeilen noch nicht erwähnt. Sie starb einen Tag zuvor.

Seid gestern muss sich das Gericht im Norwegen mit dem schlimmsten Terrorfall ihrer Geschichte auseinander setzen. Mit den Nachrichten darüber kommen die schrecklichen Bilder dieser Ereignisse noch einmal  in den Sinn und ich realisiere mal wieder die Tatsache, das immer wieder Monster in unsere Welt geboren werden, die so viel Unglück für die Menschen, mit denen sie leben, bereit halten und das Leid, was sie den Menschen zufügen fast unermesslich ist.

Woran diese Monster glauben, erklärt der Attentäter und Massenmörder Breivik – mit seiner Tat hat er es zu einer Eintragung in die Wikipedia geschafft - seid heute öffentlich vor Gericht.

Es werden nun von den Medien Bilder seiner Bluttat noch einmal gezeigt, sondern auch ihn selbst findet man jede Menge Porträts, die während der Verhandlungstage im Gericht gemacht werden dürfen.

Ich schaue mir sein Gesicht an. So nah kommt man an den Mann ja nicht ran. Ich denke so: “Er sieht doch ganz passabel aus. So ein Mann kann doch nicht so viele Menschenleben ausgelöscht haben” Das Gesicht eines Massenmörders stelle ich mir wirklich anders vor. Düster, grimmig, verbittert halt durch und durch böse. Aber dieser blonde junge Mann?  Das kann doch nicht sein, das unter seiner Schädeldecke solch grausigen Pläne gedeihen konnten. Das passt nicht in mein Bild vom bösen Mann.

Doch wenn ich genau hinsehe, dann sehe ich in seinem Gesicht nichts, gar nichts. Ich könnte mir so ein fast ausdrucksloses Gesicht nur bei einem Roboter vorstellen. Aber vor Gericht steht kein Roboter, sondern, ein Mensch, unter dessen Schädeldecke alle möglichen Wahnvorstellungen – wie Größenwahn – wuchern. Keine geistige Regung ist noch von gesunden Menschenverstand durchdrungen.

Für das Gericht eine schwere Aufgabe, vor die es jetzt steht. Wie schwer und unerträglich das für den einzelnen wohl werden wird. Ein Schöffe musste heute ausgetauscht werden, weil er sich schon vor Prozess Beginn über Facebook eine Todesstrafe für den Massenmörder forderte. Man hat ihn wegen Befangenheit ausgetauscht.

Kann man bei so einem Fall überhaupt unbefangen sein?

Ostseemaus

03 Juni 2011

in den Krieg ziehen

Die Vorbereitung der Männerparty von Sohnemann war schon gelaufen. Doch ohne Gardinenpredig wollte ich ihn nicht so ohne weiteres ziehen lassen. “Mutters – ich bin doch noch jung. Soll ich etwa zu Hause bleiben und die anderen ziehen ohne mich weiter?”

Klar, Sohnemann ist noch jung und will keine Feier auslassen. Da war ich in seinem Alter auch nicht anders. Doch er hat Epilepsie und darf seinen Geist nicht in Alkohol ertränken. Doch diese Litanei hörte er schon ..zig mal und rauscht die rauscht sicher an seinem Ohr vorbei. Deshalb setzte ich mit einer Angstgeschichte nach. “Glaub mir, an solchen Tagen wie diese ziehen tausende Männer wie die Soldaten in den Krieg und nicht alle werden nach Hause kommen” Dabei hab ich einige Schreckensnachrichten der letzten Jahre im Hinterkopf. “Entweder sie Ausnüchterungszelle oder  in die Klinik oder in den Knast  und wenn es ganz schlimm kommt, landen einige sogar in der Kiste” Auch das gab es in der Vergangenheit nach so einer nationalen Männerparty immer wieder.

Aber von solchen angeblichen Gruselgeschichten will ein junger Mann  so kurz vor dem Start in die Party nicht wissen. Sie wollen erst mal um die Häuser ziehen und dann nach Warnemünde. Das Wetter lädt dazu ja geradezu ein und schon ist verschwunden. Die Männerparty am Strand von Warnemünde ruft.

(Bildquelle – Klick Bild)

Am späten Nachmittag lese ich die Nachricht über den Vorfall in Warnemünde. Ein 45 –Jähriger wurde krankenhausreuf geschlagen. Am späten Abend kommt die Nachricht, das Opfer sei verstorben, die Täter flüchtig.

So wirklich kann ich nicht in den Schlaf kommen. Es ist schon Mitternacht vorbei, der Morgen graut schon, als sich endlich der Schlüssel im Schloss der Wohnungstür dreht und Sohnemann auf leisen Sohlen in seinem Zimmer verschwindet. Mit Hasenohren folge ich seinen Bewegungen, alles verläuft normal. Was auf den S-Bahnhof geschehen war, wusste er wahrscheinlich noch nicht mal..

Heut am Frühstückstisch. “Gestern waren die Leute aber echt agro drauf” (mit agro ist aggressiv gemeint) erzählte er mir. “Fast jeder besoffen und die S-Bahn fuhr unregelmäßig. Der Fahrplan wurde nicht eingehalten. Da waren die Jungs angepestet.”

Naja…dafür gab es ja vielleicht eine logische Erklärung.

Zum Glück hat man die Täter schnell gefasst und den Haupttäter schnell festgestellt. Angeblich gib es um Banalitäten, die zum Anlass für die Schlägerei mit tödlichen Ausgang genommen wurden.

Nun müssen eine Reihe von Männern die Konsequenzen für ihr Handeln tragen.Das macht das Opfer nicht mehr lebendig, doch für die Angehörigen wird es zumindest mit ihrer Bestrafung etwas Gerechtigkeit zurück bringen.

Vielleicht zieht auch die Stadt Konsequenzen und wird Alkoholverbot wie in Schleswig-Holstein am Himmelfahrtstag aussprechen. Könnte ja sein.

Und das, was ich am Morgen noch am Frühstückstisch so daher sagt, traf trauriger Weise für einen Mann ein. Auf blödsinnige Weise hat sie meine daher gesagte Annahme von – Knast – Klink – Kiste – als real möglich heraus gestellt.

Ostseemaus

29 Januar 2011

Verbindung

Das, was ich am schreiben immer spannend finde, sind die Erkenntnisse, die sich nachhaltig, als nachdem ich alles zu “Papier” gebracht habe, einen AHA auslösen.
Gestern beschrieb ich meine Todesangst, die sich als Makro-Gedanken-Blitz fast täglich in meinen Tagesauflauf einmischt. Diese Urangst vor dem eigenen Ende  ist sicher in jedem. Sie ist eben die Größte. Doch als sich meine niedergeschriebenen Worte von Tod und Verderben auf mich nachwirkten, erkannte ich den Hintergedanken dieser diffusen Angst.
Wie eine mathematische Formel summieren sich mein tägliches Einerlei mit der damit einhergehenden Langenweile zu einer Todesangst, die nach dem Gleichheitszeichen zu finden ist. Irgendwie gruselig – immer, wenn ich ans Ende denke. Aber die Zeit für die Katakomben ist noch nicht angebrochen
Aber warum diese Gedanken? Warum muss ich immer wieder an mein nahes Ende denken?
Heut kam ich drauf. Mein langweiliger Tagesablauf sich so öde geworden, das ich mich zu Tode langweile.
Darin liegt der Hund begraben.

28 Januar 2011

Endzeitstimmung ..

Tag für Tag ..läuft die Zeit wie Sand durch mein Leben und immer seltener finde ich Zeit, auch nur einem Sandkörnchen nachzuschauen. Und dabei hatte ich mir vorgenommen, mehr Zeit mit mir zu verbringen. Ja..mit mir, um meine Gedanken und Gefühle zu suchen. Sie scheinen mir abhanden gekommen zu sein. Die tägliche Zusammenkunft mit – vor Jahren hatte es täglich eine Stunde gemacht - versickert zwischen Schlaf, Essen und Arbeit.
Das führt dazu, dass ich an manchen Tagen leer fühle, weil ich außer innere Funkstille nichts weiter empfinde. Weder Liebe, noch Hass – keine dieser oder anderer brennenden Leidenschaften, die sonst meine private Gedankenwelt prägten. Fast kann man sagen, ich merk nichts mehr – oder doch?
Doch – etwas beängstigendes keimt in der ruhigen Leere in mir auf. Es zeigt sich wie ein kleines Aufblinken im dichten Nebel und hinterlässt nach jeden aufblitzen winzige Risse in meiner sicher geglaubten Hülle, die nur noch selten von außen anzukratzen ist. Aber von innen her zeigen sich  sich schon sowas wie kleine Haarrisse.
Es kann sein, dass die zahlreichen Todesfälle – sei es durch einen natürlichen und vor allem plötzlichen Tod oder durch unglückliche Umstände mit Todesfolge – Nachrichten dieser Art gehen wieder mal fast täglich durch die Medien - mich beeinflussen. Das löst bei mir schon mal ein paar zitterige Gedanke aus der Kruste, die ich um meine persönliche Todesangst aufgeschichtet und verhärtet hab. Aufdringlich treten diese Ängste plötzlich in mein Bewusstsein, ja, sie beeinflussen sogar meine Träume mit ihren Hintergedanken.
Vorgestern ging ich mehr als einmal im Traum auf der Green Mile zum Schafott. Ich weiß nicht mehr, unter welchen Bedingungen ich Kraft Gesetz von Leben zum Tode befördert werden sollte, aber es klappte einfach nicht. Ich musste immer wieder ins Leben zurück kehren. Die Zeit ist noch nicht reif für meinen Abgang. Aber Tag für Tag rücke ich dem Moment näher und näher. Kein schönes Gefühl, wenn sich mir aufdringlich dieser Gedanke vor die Nase hängt.